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Insider-Tipps von Ernst: Und ewig fließt der Rhein – Blick auf NRW

Dienstag, 17. September 2019
Drei unserer Kolleg*innen waren in diesem Sommer auf dem EuroVelo 15 - Rheinradweg unterwegs. Das bietet uns die willkommene Gelegenheit, unsere "EuroVelo-Insider-Tipp"-Reihe fortzusetzen. Ernst Fahrenkrug hat die Strecke in Nordrhein-Westfalen auf beiden Seiten des Rheins zurückgelegt und schlägt einen "Slow Cycle"-Ansatz vor.

Wussten Sie, dass das Rheinwasser nur zwei Wochen braucht, um von der Quelle in der Schweiz bis zur Nordsee zu gelangen? Der Rhein schläft halt nicht. Aber Sie sollten sich bitte mehr Zeit nehmen! Den Blick auf den steten Flusslauf zu heften, hat einen beruhigenden Effekt auf Körper, Geist und Seele, aber nur, wenn Sie nicht in Eile sind. Wählen Sie Restaurants mit Rheinblick und beobachten Sie das ruhig fließende Gewässer. Gönnen Sie sich dazu zum Beispiel ein kaltes, alkoholfreies Hefeweizen. Dies empfiehlt sich insbesondere für alle, die während ihrer Zeit abseits der EuroVelo-Routen mit einem gewissen Stresspegel konfrontiert sind.

Auf der rund 250 Kilometer langen Strecke durch Nordrhein-Westfalen (NRW) ist der Rhein bereits groß und mächtig und wird für den Güter- und Personenverkehr genutzt. Die vielen Naturschutzgebiete entlang des Flusses gleichen den Eindruck eines manchmal künstlich angelegten Flussbettes aber wieder mehr als aus. Die Route ist recht flach und verläuft meist am Flussufer. Allerdings ist unvorhersehbar, aus welcher Richtung der Wind bläst, der ziemlich stark sein kann. Er kam während meiner Reise aus nördlichen und westlichen Richtungen. Auch im Juli kann es morgens noch kühl sein, also vergessen Sie nicht etwas wärmere Kleidung. Die Temperatur steigt dann aber schnell an.

Insider-Tipps:

  • Vielleicht haben Sie schon einmal von dem Film "Der Rhein von oben" gehört. Er ist eine schöne Vorbereitung für Ihre Reise. Das Filmteam hat den Fluss aus der Vogelperspektive von der Quelle bis zur Mündung begleitet.
  • Am rechten Flussufer gibt es mehr Möglichkeiten der Verköstigung, die direkt an der Route liegen, als am linken Ufer in NRW. Das mag überraschend sein, hat aber wohl mit der historischen Entwicklung der Städte zu tun. So oder so bieten viele Städte am Rhein exzellentes Essen. Bei Sonnenuntergang ist es auch das rechte, östlich gelegene Ufer, das mehr Sonne genießt. Wenn Sie (ehemalige) Industriestandorte spannend finden, wird das linke Ufer für Sie interessanter sein.
  • Machen Sie regelmäßig an den vielen Biergärten entlang der Route Halt. Unter einer riesigen Platane mit herrlichem Blick auf den Rhein zu sitzen und Bier zu trinken, gehört doch einfach zum Radelspaß dazu. Ebenso interessant sind die vor Anker liegenden Boote, die zu Restaurants umfunktioniert wurden.
  • Gehen Sie nicht im Rhein schwimmen! Das kann gefährlich werden, vor allem durch überraschend auftretende starke Strömungen, die durch vorbeifahrende Schiffe und deren Wasserverdrängung verursacht werden. Aber es gibt zahlreiche Flussufer mit Strandatmosphäre, an denen Sie Ihre Füße ins Wasser tauchen und einfach nur dem Flusslauf zugucken können. Dies gilt z.B. für die Gebiete im Süden und Norden Kölns, also in Rodenkirchen ("Kölsche Riviera") oder dem Gebiet rund um den Niehler Hafen. In Rodenkirchen bin ich auch auf ein reizendes Rheinfest gestoßen.
  • Mein Lieblingsabschnitt führte durch ein himmlisches Naturschutzgebiet nördlich von Wesel am rechten Rheinufer. Machen Sie sich auf zahlreiche Vogelarten gefasst, wie zum Beispiel Störche oder verspielte Mauersegler, die im Kreis um die Radfahrenden herumfliegen, so dass man nur noch den Arm ausstrecken muss, um sie zu berühren. Andere Tiere grasen friedlich in den weitläufigen Auen, manchmal mit den Hufen im Wasser.

  • Verpassen Sie bloß nicht die beiden UNESCO-Welterbestätten am Rhein in NRW. Hierzu gehört natürlich der Kölner Dom, den Sie, einmal in Köln, nicht übersehen können. Wenn Ihre Beine das noch hergeben, sollten Sie auch auf einer kuscheligen Wendeltreppe die 533 Stufen bis zur Turmspitze erklimmen. Und dann wären da noch die vermutlich etwas weniger bekannten Brühler Schlösser Augustusburg und Falkenlust, die sich in etwa 5 km Entfernung von der Route zwischen Bonn und Köln befinden.

  • Es gibt zahlreiche empfehlenswerte Möglichkeiten, eine Bootsfahrt auf dem Rhein zu machen. Die KD Rheinschiffahrt ist wohl das bekannteste dieser Unternehmen, aber es gibt selbstverständlich auch andere. Der Fahrradtransport ist meist kein Problem. Es ist wirklich ein schönes Erlebnis, und Sie können auch auf dem Schiff frühstücken.

  • Falls Sie auch gerne ein wenig wandern möchten, bietet zum Beispiel das malerische Siebengebirge bei Königswinter am rechten Flussufer reichlich Gelegenheit dazu.
  • Es gibt einige verborgene Schätze, wie z.B. "Schloss Hueth", direkt an der Strecke zwischen Rees und Emmerich gelegen. Das Wasserschloss ist ein unerwarteter Ort auf dem schattigen Radweg, der an seinen Mauern vorbeiführt und einen leicht verzauberten, wenn nicht verwunschenen Eindruck hinterlässt.

Natürlich haben die ehemaligen Industriestädte im Ruhrgebiet, wie zum Beispiel Duisburg, ihren ganz eigenen Charme. Trotz der relativ kurzen Entfernungen zwischen Regionen wie Köln, Düsseldorf, Duisburg und dem Niederrhein weiter nördlich können Dialekte und Atmosphäre sehr unterschiedlich sein. Bitte folgen Sie auch meinen Kolleg*innen Florence und Olek und ihren Erfahrungen auf dem Rheinradweg in der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und anderen Teilen Deutschlands.