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Der Białowieża-Wald: ein Riese aus der Vergangenheit auf der EuroVelo 2 - Hauptstadt-Route

Freitag, 23. Juli 2021
Primärwälder, auch genannt Urwälder, werden in Europa immer seltener. Es handelt sich dabei um Wälder, die nie durch menschliche Aktivitäten erheblich verändert wurden und einzigartige ökologische Merkmale aufweisen. Leider hat die Abholzung in Europa auf tragische Weise zahlreiche seiner Urwälder zerstört. Der Białowieża-Wald, der entlang der EuroVelo 2 - Hauptstadt-Route an der Grenze zwischen Polen und Weißrussland liegt, ist jedoch noch weitgehend intakt.

Wälder und Urwälder

Wälder beherbergen 80 % der Artenvielfalt der Erde (1) und sie sind Kohlenstoffsenken (d. h. sie nehmen Kohlendioxid auf, anstatt es auszustoßen). Ihr Schutz ist von größter Bedeutung, da sie eine zentrale Waffe im Kampf gegen den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt sind. Wälder waren früher die Hauptvegetationsform, die den größten Teil Europas bedeckte, aber aufgrund menschlicher Aktivitäten verschwanden bis zum Ende des 17. Jahrhunderts mehr als die Hälfte der ursprünglichen Waldbedeckung des Kontinents (2). Wälder wurden abgeholzt, weil ihr Holz zur Herstellung von Holzkohle als Brennstoff verwendet werden konnte und außerdem Platz für Landwirtschaft, Viehzucht, Produktion und Bebauung schaffte.

Es gibt jedoch etwas Hoffnung, da die Waldfläche in Europa immer mehr zunimmt. Dies ist auf Aufforstungsprogramme oder Spontanregenerierung auf stillgelegten Flächen zurückzuführen. Dennoch bestehen weiterhin Gefahren für die Erhaltung dieser Wälder, und daher ist eine gute Waldbewirtschaftung der Schlüssel zur Gewährleistung der Belastbarkeit der Waldökosysteme.

Urwälder spielen eine besondere Rolle für den Schutz und die Wiederherstellung der Artenvielfalt. Ihre Entwicklung über einen langen Zeitraum hinweg führte zu verschiedenen Baumstrukturen, wie z.B. mehrschichtige Baumkronen, verschiedene Baumarten gemischten Alters, mit unterschiedlichen Höhen und Durchmessern, stehende tote Bäume, holziges Geröll auf dem Waldboden und viele andere Anpassungen und Merkmale. All dies bietet einen wunderbaren Lebensraum für Wildtiere, in dem ein vielfältiges Ökosystem gedeihen kann (3). Wenn diese Lebensräume gestört und in einigen Fällen durch menschliche Eingriffe unwiderruflich geschädigt werden, kann es zwischen einem Jahrhundert und mehreren Jahrtausenden dauern, bis die Wälder wieder ihre Eigenschaften als Urwald entwickeln. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, diese magischen Orte von Anfang an zu schützen.

Die Artenvielfalt des Białowieża-Waldes
Die Artenvielfalt des Białowieża-Waldes

Der Białowieża-Wald

Weniger als 3% der weltweit existierenden Urwälder befinden sich in Europa. Der Białowieża-Wald, der sich an der polnischen und weißrussischen Grenze befindet und sich über 308.580 Hektar erstreckt, ist einer der größten und am besten erhaltenen Teile des Urwalds, der einst die europäische Ebene bedeckte. Interessanterweise war der Wald in den vergangenen Jahrhunderten geschützt und von massiver Abholzung und Landnutzungsänderungen verschont, da er ein Jagdgebiet des Zaren war (4). Heutzutage befindet sich der größte Teil des Waldes auf weißrussischer Seite und ist als Belavezhskaya Pushcha National Park geschützt. Auf der polnischen Seite ist ein Teil des Waldes als Białowieża-Nationalpark geschützt.

Der Białowieża-Wald beherbergt eine Vielzahl alter Waldbestände, eine reiche Vielfalt an Wildtieren, darunter 800 europäische Bisons, sowie zahlreiche Pflanzen- und Pilzarten (5). Der Wald wurde außerdem von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Der Nationalpark wurde mit dem Ziel gegründet, diese unglaubliche biologische Vielfalt zu bewahren, indem die Bedrohungen kontrolliert und bekämpft werden, um gefährdete Arten zu erhalten.

Um dieses einzigartige Ökosystem zu schützen, wurde der Park in drei Schutzzonen eingeteilt, die den verschiedenen Bereichen menschlicher Eingriffe entsprechen (6):

  • Strenger Schutz: 57,6% der Parkfläche
  • Aktiver Schutz: 39% der Parkfläche
  • Landschaftsschutz: 3,4% der Parkfläche

Ein Besuch dieses Waldes stellt eine einmalige Gelegenheit dar, eine in Europa einmalige Artenvielfalt zu beobachten, da er seltene Tier- und Pflanzenarten und die größte freie Bisonherde der Welt beherbergt (7).

Besuchen Sie Białowieża beim Radfahren auf der EuroVelo 2

EuroVelo 2 - Hauptstadt-Route, beginnt in Galway im Westen Irlands und gibt Ihnen die Möglichkeit, die Hauptstädte Dublin, London, Amsterdam (weniger als 30 km von der Route entfernt), Berlin und Warschau zu besuchen und den Białowieża-Wald auf dem Weg nach Minsk und weiter nach Moskau zu durchqueren, nach einer Reise von 5.000 km.

Obwohl die Route östlich der deutsch-polnischen Grenze noch nicht gut ausgebaut ist (da sie noch nicht vollständig beschildert ist), können Teile davon bereits mit dem Rad befahren werden, vorausgesetzt, die Reise wird gut geplant und die Route doppelt gecheckt. Die Route führt die RadfahrerInnen bis zum Eingang des Białowieża-Nationalpark in Polen, wo markierte Wege, Aussichtspunkte und Rastplätze eingerichtet wurden. Obwohl Zonen, die unter strengem Schutz stehen, für BesucherInnen nicht zugänglich sind, kann die große Artenvielfalt des Waldes in dem für den Tourismus und Bildungsangeboten zur Verfügung stehenden Bereich entdeckt werden, und das Fahrrad ist ein ideales Mittel, um den Ort zu erkunden und etwas über seine Geschichte zu erfahren. Fahrräder können in der polnischen Stadt Narewka, nur 15 km nördlich der Route, gemietet werden (8).

In Weißrussland durchquert die EuroVelo 2 den Białowieża-Wald auf einer Strecke von etwa 50 km. Die Route besucht Kamieniuki, das touristische und administrative Zentrum des Belavezhskaya Pushcha National Park, wo sich ein Umweltbildungszentrum und das Naturmuseum befinden. Der Haupteingang zum Nationalpark befindet sich auf der anderen Seite der Brücke des Dorfes. Alle Straßen auf dem Territorium des Waldes haben eine erstklassige Asphaltfläche. Die Einfahrt in den Nationalpark mit dem eigenen Fahrrad kostet ein paar Euro und RadfahrerInnen sollten vorsichtig sein, denn die meisten Straßen sind recht schmal und werden mit Touristenbussen gemeinsam genutzt. Die Entdeckung dieses bezaubernden Waldes und vielleicht sogar die Begegnung mit einem Bison ist ein sehr lohnenswertes Erlebnis!

Weitere Informationen zur EuroVelo 2 - Hauptstadt-Route in Weißrussland finden Sie auf dieser Website und in diesem Reiseführer auf Russisch und Englisch. GPS-Tracks der Route können hier heruntergeladen werden.

Karte der EuroVelo 2 durch den Białowieża-Wald
Karte der EuroVelo 2 durch den Białowieża-Wald

Alte Waldgebiete in Europa

Urwaldgebiete gibt es auch anderswo in Europa, aber in den meisten Fällen sind sie viel kleiner als der Białowieża-Wald. Einige der größten sind die intakten Urwälder in den Karpaten, die vor allem in der Ukraine und der Slowakei liegen. In Bulgarien gibt es im Nationalpark Zentralbalkan uralte Buchenwälder, die zum UNESCO-Welterbe gehören. RadtouristInnen, die auf der EuroVelo 11 - Osteuropa-Route oder der EuroVelo 13 - Iron Curtain Trail unterwegs sind, können sich ein paar Tage Zeit nehmen, um diese besonderen Orte zu besuchen, da die Urwälder nicht direkt an den EuroVelo-Routen liegen.

Wie jeder, der schon einmal mit dem Fahrrad unterwegs war, weiß, hat der Radtourismus die Gabe, eine besondere Verbindung zu den Orten zu schaffen, die man besucht. Die aktive Erkundung der Vielfalt der natürlichen Welt ist oft ein Wendepunkt, der die Kreativität anregt und eine neue Sicht auf die Welt und einen neuen Sinn des Lebens bringt. Warten Sie also nicht länger und erkunden Sie die wunderbaren und inspirierenden alten Wälder, die Sie im gesamten EuroVelo-Netzwerk finden können! Im Bialowieza-Wald werden Sie inmitten der Kiefern, Eichen, Fichten und Buchen, die den Großteil des Waldes ausmachen, Bäume finden, die viel älter sind, als ein Mensch je zu leben hoffen kann (9). Bitte stellen Sie jedoch sicher, dass Sie keine Spuren Ihres Besuchs hinterlassen, damit wir uns gut um unsere empfindlichen Ökosysteme kümmern können! Sie können die 7 Prinzipien der "Leave no Trace"-Bewegung befolgen, die am Ende von diesem Artikel aufgeführt sind.

Autor: Florence Grégoire

(1) https://ec.europa.eu/environment/forests/index_en.htm

(2) https://www.eea.europa.eu/themes/biodiversity/forests

(3) https://en.wikipedia.org/wiki/Old-growth_forest

(4) option=com_content&task=view&id=23&Itemid=41 https://bpn.com.pl/index.php option=com_content&task=view&id=23&Itemid=41

(5) https://www.worldwildlife.org/ecoregions/pa0412

(6) https://bpn.com.pl/index.php?option=com_content&task=view&id=27&Itemid=211

(7) https://bpn.com.pl/index.php?option=com_content&task=view&id=633&Itemid=280&lang=en

(8) https://bpn.com.pl/index.php?option=com_content&task=view&id=652&Itemid=298

(9) https://www.poland.travel/en/discover/national-parks/bialowieza-national-park