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Après-Vélo - Die kulinarische Seite der EuroVelo-Routen (Teil I: EuroVelo 15 – Rheinradweg)

Dienstag, 29. Januar 2019
Viele in der Fahrradtourismusbranche teilen den Eindruck, dass gutes Essen eine entscheidende Motivation für Radtouristen ist. Das trifft gewiss auf den EuroVelo-Korrespondenten zu, der diese Zeilen schreibt. Nur wenige Aktivitäten schrauben Ihren Kalorienbedarf in solche Höhen wie mehrere Stunden Radfahren in wechselnder Umgebung. Die Schätzungen schwanken, aber Sie benötigen wahrscheinlich mindestens 200 zusätzliche Kalorien pro Stunde. Und was gibt es Besseres als den Genuss all dieser wunderbaren lokalen Spezialitäten – und das mit gutem Gewissen?

Ebenso ist ein kaltes (alkoholisches oder alkoholfreies) Bier nach einem heißen Tag in der Sonne ein denkwürdiges Erlebnis und eine eindringliche Mahnung, wie schön die kleinen Dinge des Lebens sein können. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, dass Radtourismus nur ein Vorwand ist, um mehr essen und trinken zu können! Dieser Punkt ist wohl umstritten, doch möchten wir Ihnen trotzdem mehr Informationen über die kulinarische Seite der EuroVelo-Routen servieren – nur für den Fall, dass Sie auch eine Freundin oder ein Freund des "Après-Vélo" sind, wie man den Genuss eines guten Mahls nach dem Radfahren bezeichnen könnte.

Wir beginnen mit den kulinarischen Höhepunkten von EuroVelo 15 – Rheinradweg der die erste vollständig zertifizierte Route im EuroVelo-Netzwerk darstellt und von den Nutzern von EuroVelo.com zur beliebtesten EuroVelo-Route 2017 gewählt wurde.

Aus der gewaltigen Zahl lokaler Spezialitäten in den verschiedenen Regionen finden Sie hier eine kleine Auswahl an Spezialitäten, die Sie beim Radfahren entlang des Rheins von der Quelle bis zur Mündung nicht verpassen sollten. Und vergessen Sie nicht: In gutes Essen zu investieren, ist eine Investition in die Gesundheit, und die ist ja zweifelsfrei eines der höchsten Güter...

Die Schweiz

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Rösti, das Schweizer Kartoffelgericht, hier als Beilage zu "Zürcher Geschnetzeltes", also Kalbfleisch in einer Weißwein-Sahne-Sauce

Radfahrende auf dem EuroVelo 15 – Rheinradweg beginnen ihre Reise in der Schweiz, genauer im Kanton Graubünden. Zum Einstieg möchten wir wärmstens ein traditionelles Schweizer Gericht empfehlen: Es trägt den Namen Rösti, oder auch Rööschti, und besteht hauptsächlich aus Kartoffeln, die in der Pfanne gebraten und ausgebacken werden. Die Rösti wird in der Regel zu anderen Gerichten serviert und ist in Schweizer Restaurants anstatt anderer Standardbeilagen beliebt. Sie ist besonders gut, wenn sie außen knusprig und innen saftig ist, dank der großzügigen Verwendung von Butter....lecker!

Zu den regionalen Spezialitäten im Kanton Graubünden gehören Pizzoccheri (eine Art Buchweizennudeln, die mit verschiedenen Gemüsesorten und Käse gerne auch als Eintopf serviert werden), Capuns (Mangoldrouladen gefüllt mit Spätzleteig), Maluns (ein kartoffelbasiertes Frittiergericht), Pizokel (erinnern an Nudeln), Churer Fleischtorte, Birnenbrot (eine dünne Schicht Brotteig mit einer Mischung aus Trockenobst, Nüssen und Brotteig) und die Bündner Nusstorte. Nicht zu vergessen die Bündner Gerstensuppe (mit Speck) und die Plain in Pigna (eine Art Rösti mit Speck und Wurst).

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Capuns, eine Spezialität des Kantons Graubünden in der Schweiz

Es gibt auch einige ausgezeichnete Dessert-Optionen, die jeden müden Radfahrer zum Lächeln bringen: Eine Bäckerei im schweizerischen Gottlieben ist weltweit bekannt für ihre "Gottlieber Hüppen". Es handelt sich um gefüllte Waffelröllchen aus der Heimat der Schokolade. Jede von ihnen wird wie eine Zigarre gerollt und dann mit Schweizer Schokolade oder sanft schmelzender Amaretto-Creme gefüllt. Sie erhalten diese feinen Röllchen am Bodensee und sollten sie vor der Mittagssonne aufessen.

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"Gottlieber Hüppen", gefüllte Waffelröllchen

Zudem gibt es die "Basler Läckerli", ein traditionelles Hartgebäck aus Basel. Sie erinnern an Lebkuchen und enthalten Honig, Haselnüsse, Mandeln und kristallisierte Früchte. Der flach gebackene Teig wird, wenn er noch heiß ist, in rechteckige Stücke geschnitten und dann mit einer Zuckerglasur überzogen. Wenn es sich einrichten lässt: Legen Sie eine Mittagspause in Basel ein und probieren Sie diese Läckerlis. Sie geben Ihnen die Energie für den Nachmittag.

Frankreich

Wenn Sie auf der linken Rheinseite weiterradeln, kommen Sie hinter Basel nach Frankreich. Die regionale Küche des Elsass ist besonders vielfältig und auch für ihren Wein und ihr Bier bekannt. Sie integriert deutsche kulinarische Traditionen und zeichnet sich durch die Verwendung von Schweinefleisch in verschiedenen Formen aus. Während das Choucroute, eine lokale Sauerkrautvariante, natürlich vegetarisch ist, wird es traditionell mit Schweinefleisch, Speck und Würstchen aus Straßburg, Morteau oder Montbéliard serviert. Zu den Beilagen gehören oft Brat- oder Dampfkartoffeln sowie Knödel.

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Ein gutes Sauerkraut ist ideal, um nach einem langen Tag auf dem Fahrrad den Magen zu füllen.

Andere regionale Gerichte sind Baeckeoffe, ein Eintopf aus Kartoffelscheiben, geschnittenen Zwiebeln und gewürfeltem Hammelfleisch, Rindfleisch und Schweinefleisch, das über Nacht in elsässischem Weißwein und Wacholderbeeren mariniert wurde. Es wird nur langsam gekocht. Viele kennen Flammkuchen oder Tarte Flambée, bestehend aus dünnem Brotteig belegt mit rohen Zwiebeln, Speck und einer Creme aus Sauerrahm, die nur leicht mit Salz und Pfeffer gewürzt ist. Flammkuchen können auch kalt während einer Pause oder eines Picknicks gegessen werden.

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Ein Flammekueche, eine Spezialität aus dem Elsass

Deutschland

Wenn Sie hinter dem Bodensee auf der rechten Rheinseite weiterfahren, kommen Sie zunächst nach Baden-Württemberg. Eines der traditionellen Gerichte sind Spätzle, eine Nudelvariante, zu deren Zutaten frische Eier gehören. Sie begleiten oft Fleischgerichte, die mit einer reichhaltigen (Braten-)Sauce zubereitet werden, wie z.B. "Zwiebelrostbraten", bestehend aus gebratenem Rindfleisch mit Zwiebeln in einer köstlichen Bratensoße. Weitere Spezialitäten sind Schwarzwälder Schinken, ein geräucherter Rohschinken aus dem Schwarzwald, und "Zibärtle", ein Obstbrand mit Marzipan- und Mandelaroma, ein recht seltener Schnaps. Er wird aus wilden Bergpflaumen hergestellt, den sogenannten "Zibarten", die sich in den mittelhohen Lagen des Schwarzwaldes finden lassen. Man bekommt den Schnaps aber auch in niederen Lagen.

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"Zwiebelrostbraten" mit Spätzle, einer beliebten Beilage im Süden Deutschlands und in Österreich

Weiter nördlich kommen Radfahrende nach Rheinland-Pfalz. Neben der beliebten Riesling-Rebsorte für Weißwein ist die Region auch für ihren Federweißen bekannt, ein aus weißen oder roten Rebsorten gepresster Traubenmost, dessen alkoholische Gärung gerade begonnen hat und der noch nicht gefiltert wurde. Das süßliche, perlende Getränk ist nur von Anfang September bis Ende Oktober erhältlich. Weitere Spezialitäten sind "Pfälzer Saumagen", ein Fleischgericht aus Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln, das nach Art einer Brühwurst in einem Schweinemagen gegart wurde. Während es vegetarische Radfahrende mit dieser Art von Nahrung schwer haben, ist "Zwiebelkuchen" wie für sie gemacht und oft fleischlos. Es handelt sich um einen herzhaften Hefeteig-Kuchen belegt mit gedämpften Zwiebeln, Sahne und Kümmel. Passt gut zum Federweißen. In Baden-Württemberg gibt es auch rund 80 Gemüsesorten, reichlich Obst, Kastanien, Nüsse und sogar Zitronen, Kiwis und Melonen.

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Traditioneller Zwiebelkuchen und ein Glas Federweißer

Die saisonale Spargelbegeisterung zwischen Mitte April und Ende Juni in Deutschland kennt keine Grenzen und nimmt manchmal religiöse Ausmaße an. Es gibt Spargel-Liebhaber, die kaum über etwas anderes reden. Und es lässt sich viel davon essen, denn Spargel ist sehr kalorienarm. Das südhessische Ried ist als Anbaugebiet für Spargel, Erdbeeren, Zwiebeln und anderes Gemüse bekannt und wird liebevoll als größter hessischer Gemüsegarten bezeichnet. Das traditionelle dreitägige Lampertheimer Spargelfest am zweiten Wochenende im Juni ist die ideale Gelegenheit, die Spezialitäten dieser Region zu genießen, aber nicht die einzige.

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Lassen Sie sich den Spargel in Hessen nicht entgehen

Hessen ist aber auch für seine exzellenten feinen Würste bekant, wie die langsam gereifte salamiartige Ahle-Wurst, sowie seine Käse- und Saucenspezialitäten. Übrigens lassen sich vor allem die Würste gut auf dem Rad transportieren.

In Nordrhein-Westfalen gehört Bier neben Fleisch und Wurst zu den Grundnahrungsmitteln. In Koblenz, Köln und Düsseldorf können Sie ein paar Kneipenausflüge einplanen und in einem der zahlreichen Brauhäuser Halt machen, die auch Fleischgerichte in ordentlichen Portionen servieren. Verzichten Sie besser darauf, hier vegetarisch zu speisen. Die Brauhäuser können das einfach nicht. Die Biersorten sind übrigens immer auch alkoholfrei erhältlich.

Regionale Spezialitäten sind "Pfefferpotthast", ein Ragout aus Rindfleisch und Zwiebeln; Panhas, eine Kochwurst mit Buchweizenmehl, und "Münsterländer Töttchen", gekochtes Kalbfleisch mit Zwiebel-Senfsauce. Ein rheinischer Klassiker ist der "Rheinische Sauerbraten", ein Schmorbraten mit Rosinen, die der Säure der Marinade eine süße Note entgegensetzen. Darüber hinaus verfügt Düsseldorf über eine große japanische Diaspora und ausgezeichnete Sushi-Restaurants.

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Rheinischer Sauerbraten in Rosinensauce mit Knödeln und Apfelmus

Die Niederlande

Am Ende Ihrer Reise erreichen Sie die Niederlande. Wir empfehlen hochwertigen Gouda aus besonders fetter Milch von Jersey-Kühen. Die Nähe zum Meer hat aber auch eine Küche begünstigt, die mit exzellenten Matjesheringen und Muschelgerichten auftrumpft. Wie ihre deutschen Nachbarn lieben auch die Niederländer Brot, das in vielen Formen und guter Qualität daherkommt.

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Muscheln in den Niederlanden

Außerdem umfasst die niederländische Küche viel Gemüse und wenig Fleisch. Lokale Restaurants servieren Spezialitäten wie Patat, eine lokale Adaption von Pommes frites. „Krokets“ sind eine Art Krokette, aber gefüllt mit Fleischragout. Eine berühmte Dessert-Option ist die heiße "Stroopwafel", dünne Waffelkekse, die in der Mitte mit süßem Sirup gefüllt sind.

Wir hoffen, dass Ihnen dieser kulinarische Überblick genauso viel Spaß gemacht hat wie uns und Ihnen Anregungen für Ihre nächste Radtour gegeben hat. Guten Appetit!

Bildnachweis: Rösti: Wikimedia Commons, ursprünglich von Nutzer Jpatokal, serviert im Restaurant Zur rote Buech, Zürich; Capuns: EuroVelo; Gottlieber Hüppen: EuroVelo; Sauerkraut: EuroVelo; Flammekuechle: Wikimedia Commons, Lulu Durand; Zwiebelrostbraten: Wikimedia Commons, 4028mdk09; Federweißer: Wikimedia Commons, 4028mdk09; Asparagus: EuroVelo; Sauerbraten: Wikimedia Commons, Johann H. Addicks; Mussels: Wikimedia Commons, Takeaway.